Ausnahmetalent

Ausnahme-Talent
Der neue Aygo X von Toyota ist trotz seiner 3,78 Meter Länge mehr als nur ein simpler Stadtwagen. Er liegt gut am Gas, ist extrem sparsam und erfreulich wendig und handlich.
Man redet von einem Crossover, zumal er hier im Vergleich zum Vorgänger etwas höher liegt, deshalb die Bezeichnung „X“ . Kein Familienauto, da wenig Platz auf der Rückbank und ein sehr diskreter Kofferraum, das soll hier gleich vermerkt werden, aber ein Kleiner mit überraschend gutem Antritt, respektablen Fahrleistungen auch auf der Landstrasse und empfehlenswert niedrigem Verbrauch. An Leistung und Sparsamkeit ist sein neuer Hybrid-Antrieb wesentlich beteiligt.

Flottes Design
Das Design verleiht dem Aygo eine ganz spezielle Note, mit seinen kurzen Überhängen und seiner breiten Spur hebt er sich von der Konkurrenz anderer Kleinwagen ab, mit einem optischen Auftritt als käme er gerade aus dem Fitness-Studio. Und da wäre ja noch die Farbe, oder vielmehr die Kombination von Schwarz und, in diesem Falle, Gelb, so wie es zur GR-Variante gehört. Als GR ist der Aygo X zwar nicht stärker als der normale Aygo X, doch Toyota hat hier an Fahrwerk und Aufhängung gefummelt und ihm einen strammeren Auftritt und mehr Härte bei lustigen Kurvenfahrten verliehen. Ausserdem reagiert er prompter auf jeden Druck aufs Gaspedal.
Offen und ehrlich

Mit Toyota zurück in die Nationaldivision? Fans des Avenir Beggen würden sich freuen.
Blech in den Türen und Kunststoff dominieren den Innenraum, dafür sitzt man hoch und findet eine übersichtliche Kommandozentrale vor, hier geht es um Funktionalität und weniger um glanzvolle Optik mit Luxus-Anspruch. Doch die Sitze sind gut, bieten guten Seitenhalt und zusätzlich zu den Digitalanzeigen im Display in der Mitte des Armaturenbretts und den Anzeigen hinter dem Lenkrad im direkten Blick des Fahrers bieten Schalter und Drehknöpfe problemlose und unkomplizierte Bedienung. Genau so wie man sich das angesichts der drohenden Invasion von Touch-Screens bei vielen modernen Autos wünschen würde, wo die einfachsten Befehle nur über Displays erfolgen und jedem Fahrer das Leben unnötig schwer machen. Das ist beim Aygo X nun wirklich nicht der Fall. Wenn es denn einer Kritik bedarf, dann derjenigen, dass der Aygo X zwar vier Türen (und eine Heckklappe ) aufweist, die hinteren Sitze aber kaum zu einer längeren Fahrt einladen, denn hier ist keine Kniefreiheit mehr gegeben, wenn auf den Vordersitzen Zeitgenossen von normaler Grösse sitzen und sich ihren Sitz dementsprechend komfortabel einstellen.
Dreizylinder Hybrid für 116 PS
Zum Antrieb. Der Aygo X erhielt einen Dreizylinder 1,5-Liter-Benziner mit 91 PS, der mit einem 80 PS starken Elektromotor zusammen arbeitet, bei einer Systemleistung von 116 PS und einem Drehmoment von 120 Nm. Das ermöglicht eine Spitze von um die 170 km/h und 9,2 Sekunden für den Sprint von null auf hundert. Beim Antrieb setzt Toyota ein neues CVT-Getriebe ein, eine stufenlose Automatik, die in alter Version bei anderen Fahrzeugen und Marken schon manche Fahrer zur Verzweiflung oder zum Ohrenarzt getrieben hat. Das ist hier nicht der Fall. Hier hält sich die Geräuschkulisse in Grenzen, wenn das Getriebe hochschaltet, Toyota spricht von virtuellen Schaltstufen, man spürt die einzelnen Schaltpunkte und erhält so den Eindruck einer klassischen Automatik.
Der Aygo X bietet die Wahl zwischen drei Fahrmodi, Normal, Power und Eco, einstellbar per Knopf in der unteren Mittelkonsole. Daneben kann auch auf reinen E-Antrieb geschaltet werden, wenn es nachts einmal später wird und die holde Gattin nicht gestört werden soll.

Zu Land und in der Stadt
So erlebten wir den Aygo X dann auch als dankbaren Begleiter, der sanft und friedlich dahingleitet und dann erst bei voller Beschleunigung oder höherem Tempo den kernigen Sound des Dreizylinders ertönen lässt. Ansonsten zeigt sich der Hybrid-Antrieb im Stadtverkehr von seiner besten Seite. Hier geht es elektrisch zu, so lange der Vorrat reicht, wird das Tempo erhöht, schaltet sich der Verbrenner dazu. Er liegt gut am Gas und erlaubt auch eine flotte, wenn auch nicht spektakuläre, Gangart auf der Landstrasse oder auf der Autobahn. Man hält gut mit, bei den heutigen Verkehrszuständen und beim derzeitigen Rückreiseverkehr ist man auch mit 110 km/h auf der Autobahn bestens im Rennen.
Sehr günstig im Verbrauch
Als Teststrecke begaben wir uns von Luxemburg Stadt auf die N4 von Arlon bis nach Namur. Hier geht es rauf und runter, lange Strecken bergab, lange Strecken wieder rauf, drei Durchfahrten durch Ortschaften bei 70 resp. 90 km/h und anschliessenden 10 km Autobahn. Toyota gibt einen WLTP Durchschnittsverbrauch on 3,7 bis 3,9 Liter an, wie erreichten nach genau 180 km einen Verbrauch von 3,4 Liter, Pfadfinder Ehrenwort. Umgekehrt auf der Rückfahrt auf gleicher Strecke kamen wir auf 3,8 Liter, hier sind die Steigungen länger und die Abfahrten kürzer.
Wer sich für den Toyota Aygo X Hybrid wegen dessen Wirtschaftlichkeit entscheidet, liegt hier genau richtig. Zudem erhält er einen Kleinwagen mit sportlichem Look, das sich mit grosser Handlichkeit, hoher Wendigkeit, ansprechendem Fahrkomfort und hoher Zuverlässigkeit auszeichnet. Anhänger des Avenir Beggen werden sich bestimmt für die Farben des GR-Modells begeistern.


