
e-Fortschritt im Limousinen-Look
Dass E-Autos auf dem Vormarsch sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass es dabei stilistisch und designmässig recht ruppig und einfallslos zugeht, zeigen viele Hersteller mit viel Masse, Gewicht und kantigen Absagen an Aerodynamik und nicht selten an den guten Geschmack überhaupt. Und dann kommt Polestar mit dem Modell 2 und zeigt, dass auch e-Mobilität schön und elegant auftreten kann, und zwar in Form einer fünftürigen Limousine mit ausreichend Kraft, hohem Komfort und beachtlichem Digitalisierungsaufgebot, das viel zu Sicherheit und Fahrkomfort beiträgt, aber auch seine Schattenseiten hat, wenn die tiefstehende Sonne in den Herbst- und Wintermonaten ein Info-Display beleuchtet, das mehr Fingerabdrücke aufzeigt als eine ausgewachsene FBI-Kartei. Aber das geht den meisten Autos heutzutage so mit ihren Bildschirmen, wir empfehlen die Mitnahme von Fenster-Reinigungssprays und einem weichen Abwischtuch, nur nebenbei gesagt.

Elegant mit inneren Werten
Man mag den Polestar 2 auf Anhieb, mit einem eleganten, sportlichen aber auch unaufdringlichem Design bringt er wohltuenden Glanz in die heutige e-Mobilität auch wenn seine schwarze Farbe, wie bei unserem „Dienstwagen“, ihn diskreter erscheinen lässt als er es verdient. Auffallend die rahmenlosen Seitenspiegel, der Kofferraum fasst 405 Liter, oder 1095 Litet bei umgeklapter Rückbank, in den vorderen kleinen Kofferaum (Frunk) passen 41 Liter.
Auch sein Innenraum ist funktional und nüchtern und bietet keinen Platz für verspielte Dekorations-Elemente, dafür ein Digital-Cockpit auf dem man sich die wichtigsten oder bevorzugten Infos und Daten voreinstellen kann und ein Touchscreen, mit dem man sich vor Fahrtantritt vertraut machen sollte, besonders, was die Assistenz-Systeme betrifft. Bei den Sitzen gibt es übrigens nachhaltige Optionen wie recyceltes MicroTech und veganes Textil.

Kraft und Ruhe
Fahrfreude pur gibt es serienmässig, mal entspannt locker oder dynamisch beseelt, der Polestar 2 kann beides, in unserem Fall das Modell mit dem Long Range (Langstrecke) Einzelmotor, der die Hinterachse antreibt und über eine Leistung von 220 kW/300 PS verfügt, was mehr als ausreichend ist, und das 2080 kg schwere Gefährt ziemlich aufregend durch die Gegend zu bewegen. 4,61 m lang ist der Polestar, aber mit seiner Lenkung und seinem Hinterradantrieb und natürlich seinem elektro-spezifischen Antritt und Durchzug erinnert er an eine GT-Limousine, die man allerdings mit entsprechender Vorsicht behandeln sollte, die 300 PS sind nun mal da und das beim geringsten Druck auf das Fahrpedal. Dieses Modell sprintet von null auf hundert in 6,2 Sekunden und kann auch auf der Autobahn den Ton angeben, falls man denn dazu Lust und einen entsprechenden Ladeplan hat.

Ausreichend Autonomie
Für die Energiezufuhr sorgt bei der Langstrecken-Version eine Batterie mit 82 kWh Gehalt, das reicht laut Hersteller für 650 km bei einem Durchschnittsverbrauch, den man in diesem Falle nahe der 15 kWh-Marke auf 100 km Distanz vermuten würde, dem ist in der Praxis allerdings nicht so. Nach einem Ladevorgang auf 100% zeigte der Computer eine Autonomie von 410 km an, ein Wert, den er im Laufe der Fahrt entsprechend unseres gemütlichen Anfangstempos nach oben korrigierte. Dabei bewegten wir uns meist auf Landstrassen mit viel Bergauf- und Bergabfahrten aber auch vielen Passagen in 50er oder gar 30er Zonen, die in letzter Zeit vermehrt bei uns auftauchen und zu einer echten Bedrohung für Radfahrer werden, weil Letztere in ihrer Eile immer öfters auf Autos auffahren, die das Pech haben, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Insgesamt erreichten wir einen Durchschnittsverbrauch von 16,6 kWh/100 km, was insgesamt gut 500 km ermöglichen würde.

Kritik bei der Ladeleistung
Etwas weniger aufregend zeigte sich das Laden an einer Schnelladesäule, wo wir trotz Voreinstellung nie mehr als 105 KW Ladeleistung erhielten, vielleicht haben wir oder die Säule hier etwas falsch verstanden. Das soll allerdings den guten Eindruck nicht schmälern, den dieser Polestar 2 bei uns hinterlassen hat. Eine Leistungsstarke Limousine mit Hinterradantrieb, mit viel Platz und Komfort für die Langstrecke, wendig und satt in den Kurven liegend, nur etwas hart in der Federung auf schlechten Strassen. Dafür erhält man viel Zeit zum Nachdenken an den Ampeln der zahlreichen Baustellen in unserem Land, die da unsere Strassen etwas weniger holprig gestalten sollen. Am besten immer Strecken auswählen, auf denen kürzlich Radrennen stattgefunden haben, wie die Tour de Luxembourg. Hier fährt es sich hervorragend weich und sanft.

