Neuer Anlauf mit Fahrspaß
Der Toyota C-HR+ ist erst das zweite vollelektrische Modell der Japaner, die hier eine optisch und fahrerisch reizvolle Alternative zu gesichtslosen SUVs anbieten.

Das + in der Modellbezeichnung gibt an, dass es sich hier um ein Elektro-Fahrzeug handelt, das mit dem Verbrenner-Vorgänger C-HR nicht mehr viel gemein hat. Das zeigt sich allein schon in der Optik. Der C-HR+ ist auf 4,52 m Länge gewachsen, er ist flacher als sein Vorgänger und sieht nunmehr wie ein richtiges Coupé aus, mit den bei Toyota üblichen Ecken und Kanten in der Karosserie, die ihm einen dynamischen Look verleihen.
Offen und ehrlich

So gefällig der Look, so gewöhnlich zeigt sich der Innenraum. Es geht um Übersicht und Funktionalität, weniger um Verspieltheit und Aufdringlichkeit. Wäre da nicht die neue Position des Lenkrads, das nunmehr so angebracht ist, dass der Blick auf die Digitalanzeigen im Blickfeld des Fahrers nun nicht mehr durch das Lenkrad, sondern über den Kranz des Lenkrads erfolgt. Man gewöhnt sich dran, immerhin kennt man das auch von einer anderen, französischen Marke. Dazu kommt natürlich das Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts, die Bedienung wichtiger Funktionen wie Heizung oder Klimaanlage erfolgt, gottseidank, über Drehschalter und Druckknöpfe. Man findet viel Plastik im Innenraum, das ist nun einmal so und erfreut selbstverständlich die deutsche Presse, die ja von zuhause aus höhere Standards und optisch besser getarnten Plastikeinbau gewohnt ist. Auch bei den Rücksitzen kritisieren diese Experten den beengten Fußraum und Beinfreiheit für die Mitfahrer, liefern aber gleich die Erklärung dazu mit der Erwähnung, dass die Batterie im Fußboden nun einmal Platz beansprucht. Um diesen Engpass zu umgehen, baut man die Autos etwas höher und erhält somit jene vielgeliebten SUVs, die mit der Aerodynamik des Assuan-Staudamms über die Autobahn rasen.

Leistung und Autonomie im Plus
Toyota bietet den C-HR+ mit zwei Batterien von 57,7 kWh und 77 kWh für drei Leistungsvarianten an: das sind 123 kW/167 PS mit der kleinen Batterie oder 165 kW/225 PS mit der großen, beide mit Antrieb auf die Vorderräder und die Top-Version mit Allrad, 252kW/345 PS und 77 kWh Batterie. Werksseitig ergibt das Autonomien laut WLTP-Standards von 450 km (57,7 Batterie) resp. 600 km (77 kWh Batterie). Die Allradversion soll, laut Werk, bis zu 500 km schaffen. Somit dürfte der Verbrauch sich zwischen 13,4 kWh /100 km und 15,5 kWh bewegen. Theoretische Werte, die in der Praxis gar nicht mal utopisch sind.

Guter Kompromiss
Meist heißt es ja: Leistung oder Autonomie. Doch beide Ansprüche Schließen sich beim C-HR+ nicht gegenseitig aus. Der Verbrauch ist erfreulich günstig bei moderater Fahrweise auf, zugegeben, flacher Strecke, und überraschend bescheiden bei angriffslustigem Tempo.
Zwischen 13,9 und 15,0 kWh
Unser erster Test mit dem 165 kW starken Modell führte uns erneut auf unsere Lieblingsstrecke N4 von Arlon nach Namur. Distanz bis zu unserem Ankunftsort: 180 km. Der Computer zeigt einen Verbrauch von 13, 9 kWh an, das ist bemerkenswert günstig auf einer hügeligen Strecke mit vielen Steigungen und Abfahrten. Am Lenkrad kann man die Intensität der Rekuperation auf vier Stufen einstellen, allerdings arbeitet diese Rekuperation beim Loslassen des Fahrpedals ziemlich bescheiden und hier kann auch eine längere Bergabfahrt kaum den Energieverbrauch einer längeren Steigung wettmachen.
Es folgte eine Ausfahrt auf die deutsche Autobahn, von Schengen über Saarlouis hinauf Richtung Mannheim bis zur Auffahrt auf die A1 Richtung Trier und dann zurück nach Luxemburg. Die Fahrt ging über 200 km, bei teilweise Tempo zwischen 130 und 150 km/h, wie gesagt teilweise, denn man fährt kaum länger als 20 km mit höherem Tempo bevor Baustellen, Lärmschutz oder dichter Verkehr einen wieder einbremsen. Verbrauch: 15 kWh /100 km. Beachtlich.

Beachtlich auf der Fahrspaß mit diesem C-HR+. Auf den kleinen Straßen an und entlang der Mosel zeigte dieser Elektriker seine Qualitäten in puncto Wendigkeit, Kurvenfreude und Standfestigkeit. Da zeigt der Elektriker wahrhaft sportliche Qualitäten welche dieses Coupé wohltuend von gängigen E-SUVs unterscheiden.
Unser Fazit: ein empfehlenswertes E-Coupé von hoher Qualität, es ist immerhin ein Toyota, das viel Fahrspaß bei annehmbarem Verbrauch und somit beruhigender Autonomie bietet. Dies allerdings hat seinen Preis. Das Einstiegsmodell liegt bei 41.000.- EUR.

